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Anhang zur Satzung

Anhang zur Satzung der Ron’s Org Frankfurt e.V.

Gemäß § 2 der Satzung ist Vereinszweck die Information und Bildung von Mitgliedern und der interessierten Öffentlichkeit auf dem Gebiet der Philosophie und Religion und deren Schnittpunkten, insbesondere Anwendung und Nutzbarmachung von philosophischen und religiösen Aspekten und Lehren für eine selbstbestimmte Lebensgestaltung des Einzelnen und ein soziales und friedliches Zusammenleben, wobei es der Ron’s Org Frankfurt e.V. insbesondere um die Auseinandersetzung mit den Ideen von L. Ron Hubbard und William B. Robertson in philosophischer und religiöser Hinsicht geht. Dieser Vereinszweck soll durch diesen Satzungsanhang konkretisiert und dargelegt werden.

Der Verein hat sich, auch durch langjährige Studien einiger seiner Gründungsmitglieder vermittelt, intensiv und eigenständig mit der Frage beschäftigt, was es mit Scientology und den Schriften von L.Ron Hubbard auf sich hat. Dies wurde völlig unabhängig von der Scientology-Kirche durchgeführt, die solche unabhängigen Bestrebungen von Anfang an bekämpft hat. Der Verein grenzt sich daher ausdrücklich formell wie inhaltlich von dieser Vereinigung und all ihren Untergruppierungen ab.

Im Laufe der eigenständigen Recherchen kristallisierte sich immer deutlicher heraus, dass zwischen Scientology als Philosophie oder Religion und Scientology als von der Scientology-Kirche praktiziertes „System“ ein weiter Unterschied besteht. Ron’s Org Frankfurt e.V. sieht es als ihre Aufgabe an, diese Unterschiede herauszuarbeiten und die Ergebnisse darüber, was Scientology an Denkmodellen und Methoden für die Verbesserung von Lebensumständen von Individuen und der Gesellschaft zu bieten hat, einer breiten Öffentlichkeit bekanntzumachen. Neben den Schriften von L.Ron Hubbard, dem Gründer der Scientology, stützt sich die von Ron’s Org Frankfurt e.V. vertretene Auslegung der Scientology vor allem auch auf William B. Robertson, der ein Schüler L.Ron Hubbards war und maßgeblich dazu beigetragen hat, eine alternative Scientology-Bewegung außerhalb der Scientology-Kirche zu etablieren.

Nach der Erkenntnis des Vereins können die Grundzüge der Scientology und ihre Anwendungen wie nachfolgend zusammengefasst werden, wobei dieser Gliederung gefolgt wird:

  1. Was ist Scientology, was sind ihre Ziele?
  2. Was sind die Praktiken der Scientology?
  3. Wie verhält sich Scientology, wie sie von der Ron’s Org Frankfurt e.V. verstanden wird, zu dem, was die Scientology-Kirche vertritt?
  4. Ist Scientology eine Religion?

Wo passend, sind Zitate aus den Schriften von L.Ron Hubbard, William B.Robertson und anderen Autoren eingefügt.

1. Was ist Scientology, was sind ihre Ziele?

a) Das Menschenbild der Scientology

Das Menschenbild der Scientology lässt sich auf drei grundlegende Postulate zurückführen:

Erstens: Der Mensch ist ein geistiges Wesen.

„Der Mensch ist seine eigene unsterbliche Seele....Der Einzelne mag Gott hassen oder Priester verachten. Aber er kann nicht die Beweise dafür, dass er seine eigene Seele ist, ignorieren.“ (L.Ron Hubbard, „Die Suche des Menschen nach seiner Seele“, The Journal of Scientology 23-G)

Zweitens: Der Mensch ist im Grunde gut.

„Man wird feststellen, dass der Mensch im Grunde gut ist. Nur seine Aberrationen sind schlecht.“ (L.Ron Hubbard, HCO Bulletin vom 23. April 1969)

Drittens: Der Mensch besteht grundlegend aus drei Teilen: Dem Körper, der Seele, die in der Scientology üblicherweise als Thetan bezeichnet wird, und dem Verstand. Der Verstand wiederum gliedert sich in den bewussten Teil, der verwendet wird, um Dinge zu lernen, Erinnerungen zu speichern, Probleme zu durchdenken usw., und einen unbewussten oder (wie er in der Scientology bezeichnet wird) reaktiven Verstand, dessen Inhalte unbekannt oder verdrängt sind. Sie sind insbesondere deshalb unbekannt oder verdrängt, weil sie mit Schmerzen oder mit unangenehmen Gefühlen assoziiert sind.

L. Ron Hubbard konstatiert, dass dadurch dieser Teil des Verstandes dem Menschen unlogische, für ihn und andere unverständliche Verhaltensweisen aufzwingen kann. Dieses Phänomen wird als Aberration, also Abweichung vom logischen oder überlebensfreundlichen Denken und Verhalten, bezeichnet. Unter die Auswirkungen des Reaktiven Verstandes fällt alles, was den Menschen als Individuum oder in Gruppen oder der Gesellschaft behindert und ihn an seiner Entfaltung als geistiges Wesen hindert. Beziehungen, die unerklärlicherweise scheitern, psychosomatische Krankheiten, unverständliche Abneigungen gegen bestimmte Personen oder Situationen, Kriminalität, fixierte emotionale Zustände und vieles mehr werden nicht als schicksalsgegeben angesehen, sondern als Umstände, die auf Inhalte des Reaktiven Verstandes zurückzuführen sind, die der Person ganz oder teilweise unbekannt sind und daher einen verborgenen Einfluss auf sie ausüben.

„Der Mensch ist grundlegend gut. Aber der reaktive Verstand hat die Neigung, ihn zu schlechten Handlungen zu zwingen.“ (L.Ron Hubbard, HCO Bulletin vom 10.7.1964)

Die Scientology bleibt daher nicht bei der bloßen Feststellung der Tatsache stehen, sondern will, ganz im Geist der Aufklärung, den Menschen befähigen, diese Quelle der Aberration zu verstehen und zu überwinden.
Dabei gründen sich die Lehren der Scientology, wie L.Ron Hubbard vielfach betont, auf Vorläufer in anderen Philosophien und Religionen, insbesondere auf den Buddhismus.

„Obschon Scientology einen viel weiter reichenden Wirkungskreis umfasst, als jede frühere östliche oder westliche Religion jemals hatte, so darf dabei nicht außer acht gelassen werden, dass ein Großteil dessen, was heutzutage in Scientology Verwendung findet, bereits Tausende von Jahren in der Vergangenheit bekannt war und wieder verloren ging; was neu hinzukam, ist die exakte Vermittlung des Wissens.
Was wir mit diesem Wissen machen ist neu. Die Technologie, den Menschen in einen neuen Zustand zu versetzen, ist neu. Die grundlegende Hoffnung der Menschheit aber, so wie sie heute in Scientology aufgezeigt wird, ist Tausende von Jahren alt. Wenn wir also heute Scientology eine Religion nennen, so unter dem Gesichtspunkt, dass die Wurzeln der Religion weitaus länger zurückreichen, als über einen Zeitraum von zweitausend Jahren. Religion ist eine Weisheit der Tradition von Zehntausenden von Jahren der Suche in Asien und westlichen Zivilisationen.“ („Beschreibung der Philosophie“, von L.Ron Hubbard)

b) „Richtiges“ und „falsches“ Handeln aus der Sichtweise der Scientology

Die Lehre der Scientology bezieht sich nicht nur auf einen therapeutischen Ansatz, um verdrängte oder unbewusste Quellen von Aberration ans Tageslicht zu holen und ihnen somit die Kraft zu nehmen. Vielmehr wird es für wichtig erachtet, auch das Zusammenleben von Menschen und die Prinzipien, die es bestimmen, zu ergründen.
Als Grundantrieb allen Lebens und auch des menschlichen Daseins wurde von L.Ron Hubbard der Antrieb zum Überleben bestimmt.

„Ich fand heraus, dass der gemeinsame Nenner jeglichen Daseins ÜBERLEBEN ist. Was auch immer ein Mensch unternimmt, egal ob er nun kultiviert oder primitiv sei, er versucht zu überleben. Nun ja, wie steht es aber mit Dingen wie Moral, Ideale, Liebe? Stehen diese Dinge nicht über dem "bloßen Überleben"? Unglücklicher- oder glücklicherweise stehen sie nicht darüber. Ideale, Aufrichtigkeit, Nächstenliebe - fehlen diese ganz oder teilweise, findet man auch kein gutes Überleben für einen Einzelnen oder Viele. Sogar die esoterischsten aller Auffassungen fallen unter diesen Begriff. Überleben ist nicht eine Sache des unmittelbaren Am-Leben Seins und im nächsten Moment tot zu sein. Überleben ist einteilbar in eine Skala.“ („Beschreibung der Philosophie“, von L.Ron Hubbard)

Als „richtig“ aus der Sicht des Einzelnen oder einer Gruppe wird daher dasjenige Handeln angesehen, was das Überleben fördert, als „falsch“ dasjenige, was das Überleben behindert oder zum Unterliegen führt. Natürlich kann eine einzelne Handlung oder Unterlassung für das Individuum überlebensfreundlich sein, aber gleichzeitig für Mitmenschen überlebensfeindlich. Aus dieser Problematik entwickelt sich die Sichtweise, den Drang zum Überleben zum Zwecke der Analyse in verschiedene Bereiche aufzuteilen, die als Triebkräfte des Daseins oder Dynamiken bezeichnet werden.

„Es wurde festgestellt, dass sich die Dynamik des Überlebens aus acht Unterbereichen zusammensetzt, wovon jede einzelne Dynamik aus dem Antrieb, Drang und Ziel des Lebens - Überleben - besteht und sich in jeder der acht Dynamiken äußert.

Die ERSTE DYNAMIK ist der Antrieb zum eigenen Überleben.

Die ZWEITE DYNAMIK ist der Antrieb zum Überleben durch Sex oder Kinder.

Die DRITTE DYNAMIK ist der Antrieb zum Überleben durch eine Gruppe von Individuen oder als eine Gruppe.

Die VIERTE DYNAMIK ist der Antrieb zum Überleben durch die gesamte Menschheit und als die gesamte Menschheit.

Die FÜNFTE DYNAMIK ist der Antrieb zum Überleben durch Lebensformen wie Tiere, Vögel, Insekten, Fische und Vegetation, und ist der Antrieb zum Überleben als solche.

Die SECHSTE DYNAMIK ist der Antrieb zum Überleben als physikalisches Universum, bestehend aus dessen Komponenten Materie, Energie, Raum und Zeit.

Die SIEBTE DYNAMIK ist der Antrieb zum Überleben durch den Geist oder als ein geistiges Wesen. Alles Geistige, mit oder ohne Identität, ist also der siebten Dynamik zuzuordnen. Ideen und Begriffe wie Schönheit und der Wunsch zum Überleben durch diese, fällt als Untertitel in diese Dynamik.

Die ACHTE DYNAMIK ist der Antrieb zum Überleben durch ein Höheres Wesen oder - genauer ausgedrückt - durch Unendlichkeit.“
(„Beschreibung der Philosophie“, von L.Ron Hubbard)

Handlungen (oder Unterlassungen), die aus dem Gesichtspunkt des Individuums mehr Schaden als Nutzen für das Überleben auf seinen Dynamiken bringen, werden als „Overts“ bezeichnet. Diese Handlungen wirken sich negativ auf das Überleben der Person aus. Die Person neigt dazu, diese Handlungen gegenüber anderen zu verschweigen und zu verbergen, und somit hält sie sich, ihre Kommunikationen und ihre Handlungen immer mehr zurück, und ebenso trennt sie auch sich immer mehr von ihren Dynamiken ab und isoliert sich. Diese Abwärtsspirale führt in Kriminalität, Geisteskrankheit oder einfach nur Untätigkeit und Isolation gegenüber dem Leben, wenn sie nicht durchbrochen wird.

„Der Mensch ist grundlegend gut. Aber der reaktive Verstand hat die Neigung, ihn zu schlechten Handlungen zu zwingen. Das Individuum bereut diese bösen Handlungen instinktiv und versucht nun, sich vor jeder Tätigkeit abzuhalten. Das Individuum denkt, daß die ‚beste’ Gegenmaßnahme Zurückhaltung sei. ‚Wenn ich böse Handlungen begehe, dann ist die beste Garantie dafür, diese nicht zu tun, überhaupt nichts zu tun.’ So bekommen wir die ‚faule’, inaktive Person.

Andere, die versuchen, das Individuum für das Begehen böser Handlungen schuldig zu machen, verstärken nur diese Tendenz zur Faulheit.

Strafe soll Untätigkeit bewirken. Und sie tut es - auf unerwartete Weise.

Es gibt jedoch auch eine Inversion (eine Umkehrung), wenn das Individuum unter den Punkt hinabsinkt, irgendeine Aktion als solche zu erkennen. In einem derartigen Zustand ist sich das Individuum keinerlei Aktion mehr bewußt und kann deshalb Aktion nicht zurückhalten. Damit haben wir den Kriminellen, der nicht wirklich agieren, sondern nur reagieren kann und der sich selbst überhaupt nicht steuern kann. Dies ist der Grund, warum Bestrafung Kriminalität nicht aus der Welt schafft, sondern sie erst richtig hervorbringt; das Individuum wird unter die Stufe gedrückt, wo es etwas zurückhalten kann oder irgendeine Aktion erkennen kann. Die Hände des Diebes stahlen den Juwel, der Dieb war bei dieser Handlung seiner eigenen Hände bloß ein unschuldiger Zuschauer.“
(L.Ron Hubbard, HCO Bulletin vom 10.7.1964)

In der Broschüre „Der Weg zum Glücklichsein“ werden von L.Ron Hubbard eine Reihe von Verhaltensregeln aufgestellt, die dem Einzelnen einen gangbaren Weg aufzeigen, wie er oder sie sich so verhalten kann, dass er im Einklang mit sich und seinen Dynamiken ein „gutes“ Leben führen kann. Hierin werden die theoretischen Überlegungen über „richtiges“ und „falsches“ Verhalten in einen konkreten Moralkodex umgesetzt, der sich an den Umständen des modernen Lebens orientiert, aber in seiner Stoßrichtung denselben Zweck hat wie die Moralkodizes und Regeln, die von Religionen und Gesellschaften in der Geschichte schon immer für das Zusammenleben von Menschen aufgestellt wurden, von den Zehn Geboten bis zum Kategorischen Imperativs Kants und darüber hinaus.

Die Regeln des „Wegs zum Glücklichsein“ werden nicht als ein für Anhänger der Scientology verpflichtender Verhaltenskodex aufgefasst, sondern als Ratschlag oder Richtschnur, die dem Einzelnen mit auf dem Weg gegeben werden, um ihm zu helfen, sein Verhalten besser zu bewerten und ausrichten zu können.

Die Hauptregeln aus dem „Weg zum Glücklichsein“ lauten:

  1. Achten Sie auf sich.
  2. Seien Sie maßvoll.
  3. Treiben Sie keine Promiskuität.
  4. Geben Sie Kindern Liebe und Hilfe.
  5. Ehren Sie Ihre Eltern und helfen Sie ihnen.
  6. Geben Sie ein gutes Beispiel.
  7. Seien Sie bestrebt, sich im Leben an die Wahrheit zu halten.
  8. Morden Sie nicht.
  9. Tun Sie nichts Illegales.
  10. Unterstützen Sie eine Regierung, die für alle gedacht ist und im Interesse aller handelt.
  11. Schaden Sie niemandem, der gute Absichten hat.
  12. Schützen und verbessern Sie Ihre Umwelt.
  13. Stehlen Sie nicht.
  14. Seien Sie vertrauenswürdig.
  15. Kommen Sie Ihren Verpflichtungen nach.
  16. Seien Sie fleißig.
  17. Seien Sie kompetent.
  18. Respektieren Sie die religiösen Überzeugungen anderer.
  19. Versuchen Sie, anderen nicht etwas anzutun, was Sie nicht selbst erfahren möchten.
  20. Versuchen Sie, andere so zu behandeln, wie Sie von ihnen behandelt werden möchten.
  21. Seien Sie aktiv und erfolgreich.

c) Ziele für den Einzelnen und für die Gesellschaft; die Vorstellung einer „Neuen Zivilisation“ nach William B. Robertson

Die Scientology strebt danach, jedem Individuum, das hierzu den Wunsch hat, eine Möglichkeit zu geben, mehr über sich selbst und sein Leben zu erfahren und über die Gesetze des Lebens an sich.

Das erste Prinzip meiner eigenen Philosophie lautet, dass Weisheit für jeden da ist, der den Wunsch hat, danach zu streben. Sie ist gleichermaßen die Dienerin des Bürgers wie des Königs, und sie sollte nie mit ehrfürchtigem Schaudern betrachtet werden. (L.Ron Hubbard, „Meine Philosophie“)

Das Individuum soll zu Selbsterkenntnis, größerem Wissen und höherer Selbstbestimmung geführt werden. Die Scientology unterstellt, dass dies gewissermaßen automatisch zur Folge haben wird, dass die Person, die sich auf diesem Weg befindet, sich „besser“ verhält, auch was ihr Zusammenleben mit der Gesellschaft betrifft. Eine „Erziehung“ oder „Anpassung“ dazu wird als überflüssig erachtet.

Es geht auch nicht darum, die Person zu „jemand anderem, besseren“ zu machen. Vielmehr soll die Person immer mehr entdecken, wer sie selbst ist, was sie davon abgebracht hat, sie selbst zu sein, und auf diese Weise wieder zu sich selbst finden.
Auf diese Weise, nämlich indem dem einzelnen zu besseren Fähigkeiten, mehr Selbstbestimmung, einem glücklicheren Dasein verholfen wird, soll indirekt auch der Zustand der Gesellschaft verbessert werden.

„Die Scientology möchte folgendes erreichen: Eine Zivilisation ohne Geisteskrankheit, ohne Kriminalität und ohne Krieg, eine Zivilisation, in der sich der Mensch entsprechend seinen Fähigkeiten nicht politisch; sie streben nicht danach, irgendeine Regierung zu stürzen.“ (L. Ron Hubbard, Professional Auditor’s Bulletin Nr. 62, 30.9.1955)

„Hiermit erkläre ich, dass Scientology nicht politisch und nicht ideologisch ist. Politik und Ideologie dürfen nicht Teil irgendeiner Entscheidung sein, jemanden auszubilden oder zu auditieren, und eine jegliche Befragung dieser Art soll von nun an nicht mehr Teil irgendeiner Bewerbung für Ausbildung, Prozessing oder Mitgliedschaft sein.“ (L.Ron Hubbard, HCO Richtlinienbrief vom 10.1.1968)

William B. Robertson hat sich in den 80er Jahren, als er eine alternative Scientology-Bewegung ins Dasein rief, ebenfalls intensiv mit dem Ziel der Scientology für die Gesellschaft beschäftigt. Er rief dazu auf, das Spiel der Neuen Zivilisation“ zu spielen. In dieser sollen Ziele angestrebt und verwirklicht werden, die allen dienen, etwa ökologisches Gleichgewicht, Expansion der Produktion, so dass niemand in Armut leben muss, eine stabile Wirtschaft, Freiheit für die Entfaltung des einzelnen, Raum für Vergnügen und Kreativität, Beseitigung von Kriegen und Minimierung von Gewalt, Kriminalität und anderen Übeln der „Alten Zivilisation“. Auch aus seiner Sicht geht es nicht darum, Umstürze durchzuführen oder Einzelnen und Gruppen Regeln und Strukturen aufzuzwingen, sondern durch die Erhöhung des Verantwortungsniveaus jedes Einzelnen eine Verbesserung in den gesellschaftlichen Umständen zu erreichen.

„Die neue Zivilisation ist ein Spiel, bei dem jeder gewinnt. Ihre Freiheiten gelten für jedes Individuum, so dass die gesamten Überlebens- und Expansionsvorhaben erreicht werden können. Es herrscht Freiheit für Ideen, in der Wirtschaft und zur Teilnahme an allen Komponenten einer Zivilisation.... [Eines der Ziele ist:] Alle Arten von kreativem Bemühen, von überlebensfreundlicher und expansionsfreudiger Aktivität zu erkennen, sie zu bestätigen und zu unterstützen. Die eigene Freiheit als Schlüssel zum Erreichen aller Ziele der Neuen Zivilisation zu schützen und sich aktiv jeglichem Versuch, persönliche Freiheiten oder Rechte im Spiel der Neuen Zivilisation zu begrenzen oder irgendwelchen Regeln zu unterwerfen, zu widersetzen und ihn zu bekämpfen.“ (William B. Robertson, „Das Spiel der Neuen Zivilisation“)

2. Was sind die Praktiken der Scientology?

Die Scientology, wie Ron’s Org Frankfurt e.V. sie versteht, ist ein Angebot an Menschen, die den Drang danach haben, mehr über sich und das Leben herauszufinden, und sich und die eigenen Lebensumstände auf geistigem Wege zu verbessern. Insoweit steht sie Erkenntnislehren wie dem Buddhismus sehr nahe.

a) Auditing

L.Ron Hubbard hat eine lange Reihe von Verfahren entwickelt und über Jahrzehnte lang in der Praxis erprobt – und durch viele in diesen Verfahren ausgebildete Personen erproben lassen – die der Person helfen, alleine oder mit Hilfe eines ausgebildeten Auditoren zu Erkenntnissen über sich, die Einflüsse der eigenen Vergangenheit und die geistigen und emotionalen Mechanismen, denen sie unterliegt (oder sich selbst unterworfen hat) zu gelangen und auf diese Weise den Einfluss des Reaktiven Verstandes auf das eigene Denken und Handeln zu verringern oder auszuschalten.

Diese Verfahren werden in der Scientology unter dem Begriff Auditing zusammengefasst, was vom lateinischen audire = hören stammt, denn Auditing findet zwischen der Person, die sich Auditing unterzieht, und einer in den Auditingverfahren ausgebildeten Person, dem „Auditor“, statt, der der anderen Person im Wesentlichen zuhört. Insbesondere außerhalb der Scientology-Kirche wird auch der Terminus „Clearing“ benutzt, daneben war auch noch der Ausdruck „Prozessing“ früher gängig.

„Scientology-Prozessing basiert auf dem Prinzip, ein Individuum dazu zu befähigen, seine eigene Existenz unter die Lupe zu nehmen und seine Fähigkeit zu verbessern, zu konfrontieren was er ist und wo er ist. Ein AUDITOR ist eine in der Scientology-Technologie ausgebildete Person, deren Aufgabe es ist, das Individuum zum Hinsehen zu bewegen und ihm dabei zu helfen. Es gibt darüber eine äußerst umfangreiche Technologie; kurz gesagt muss ein Auditor in der Lage sein, Antworten auf seine Fragen zu bekommen und das Individuum, das prozessiert wird, wird diese Fragen schlussendlich beantworten. Die Frage wird solange gestellt, bis sie beantwortet ist und sich die Person vollkommen bewusst ist, dass sie sie beantwortet hat. Das Wort AUDlTOR wird deshalb verwendet, weil es ‚zuhören’ bedeutet, und ein Scientology-Auditor hört zu.“. („Beschreibung der Philosophie“, von L.Ron Hubbard)

Ganz grundlegend werden Bereiche im Leben der Person herausgefunden, in denen sie Probleme und Konflikte hat, wo sie sich unfähig oder blockiert fühlt. Dies kann auch psychosomatische Krankheiten beinhalten, für die sich keine medizinische Ursache hat finden lassen. Solche Bereiche werden unter anderem mit Hilfe des „E-Meters“ (kurz für „Elektro-Psychometer“) aufgespürt. Hierbei handelt es sich um ein ähnliches Gerät wie einen Lügendetektor. Reaktionen auf Gedanken, und insbesondere auf Themen und Begriffe, die „geladen“ sind, d.h. die mit Bereichen von Unfähigkeit und Konflikt assoziiert sind, werden vom E-Meter angezeigt, so dass der Auditor wissen kann, in welche Richtung er Fragen stellen und weitergehen soll.

Ein speziell ausgebildeter sogenannter Fallüberwacher erstellt anhand der Daten, die z.B. durch ein Interview mit Hilfe des E-Meters ermittelt wurden, ein Auditingprogramm für die Person, die als Preclear bezeichnet wird (= auf dem Weg zu Clear. Clear wird als Zustand definiert, in dem die Person sich von ihrem Reaktiven Verstand vollständig befreit hat.) Im Rahmen dieses Programmes werden, vereinfacht gesagt, die geladenen Bereiche nacheinander – in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht – jeder einzeln aufgegriffen und der Person hierzu Fragen gestellt, die sie in die Lage versetzen sollen, schrittweise den Bereich anzuschauen, aufzuarbeiten und bislang von ihr ungesehene oder verdrängte Zusammenhänge zu erkennen.

Die Fragen gehen dabei in die Richtung, dass „Unangenehmes“ und „Verdrängtes“ auftauchen und vom Preclear bearbeitet werden kann, aber nicht mehr, als die Person in diesem Moment verarbeiten kann. Ein Beispiel dafür könnte so aussehen:
Als Thema wird „Kommunikation mit dem Vater“ bearbeitet. Der Auditor könnte etwa die Frage stellen „Was könntest du zu deinem Vater sagen?“ Diese Frage wird wiederholend gestellt. Alle Antworten des Preclears werden vom Auditor ohne weitere Bewertung akzeptiert. Zunächst mögen dem Preclear als Antworten einfache Dinge einfallen, die er dem Vater sagen könnte. Dann stößt er mit seiner Aufmerksamkeit vermutlich von selbst auf Dinge, die er dem Vater nicht sagen könnte. Er äußert dies, schaut sich diese Dinge wahrscheinlich nach und nach immer genauer an, differenziert zwischen ihnen, findet heraus, was genau eigentlich den Unterschied ausmacht zwischen Dingen, bei denen er das Gefühl hat, er könne sie seinem Vater sagen, und denen, wo er denkt, er könne sie nicht sagen. Schließlich kommt der Preclear vielleicht zu einem Punkt, wo er erkennt, dass er auch diese Dinge zu seinem Vater sagen könnte, von denen er erst dachte, dass er damit Schwierigkeiten hat – oder er entdeckt eine spezifische Ursache für seine diesbezüglichen diffusen Ängste, versteht diese besser und kann sich davon lösen.

Der Auditor leitet die Auditingsitzung, die nicht nach der Uhr abgehalten wird, sondern nach Möglichkeit immer bis zu einem Punkt geführt werden soll, an dem der Preclear sich über das auditierte Thema besser oder befreit fühlt. Über die Auditingsitzungen wird dem Fallüberwacher als außenstehender, nicht involvierter Person regelmäßig berichtet, damit dieser dem Auditor als Supervisionsinstanz beistehen, eventuelle Fehler berichtigen und den weiteren Fortschritt des Programms steuern kann.

Die Aktionen, die ein Auditor in der Sitzung durchführt, das heißt die Fragen, die er stellt, und die Regeln, nach denen er Verfahren auswählt (soweit sie ihm nicht vom Fallüberwacher vorgegeben werden) richten sich nach klar definierten Prinzipien und Regeln, in denen der Auditor ausgebildet wurde. Nichtsdestoweniger basiert alles Auditing auf frei fließender Kommunikation zwischen Auditor und Preclear.

Wichtiger als die einzelnen Auditingtechniken sind bestimmte Grundregeln, die allem Auditing unterliegen und an die jeder Auditor gebunden ist. Es handelt sich um den sogenannten Auditorenkodex. Er soll den PC wie den Auditor vor falscher Anwendung schützen und bestmögliche Resultate sichern. Die wichtigsten Punkte stehen dabei am Anfang:

  1. „Ich verspreche, in der Sitzung nicht für den Preclear zu bewerten, oder ihm zu sagen, was er über seinen Fall denken soll.
  2. Ich verspreche, den Fall des Preclears oder seine Gewinne weder innerhalb noch außerhalb der Sitzung abzuwerten.“
    (L.Ron Hubbard, „Der Auditorenkodex“)

Damit wird das Grundprinzip des Auditings unterstrichen, nämlich dass allein die Person selbst zu Wahrheit finden kann. Anders als in intervenierenden Techniken wie der klassischen Psychoanalyse soll der Auditor dem Preclear nicht sagen, was „die Lösung“ für sein Problem sein könnte oder warum er diese und jene Gedanken oder Gefühle hat. Die Person soll selber zu Gewissheit über ihr eigenes Innenleben und ihre Beziehungen zu Außenwelt kommen. Es wird dem Preclear auch kein Glaubenssystem vorgeschlagen oder übergestülpt; es ist auch keines Voraussetzung für die Teilnahme an Auditing. Der Preclear muss zu eigenen Schlussfolgerungen kommen, seine eigenen Entscheidungen treffen und seine eigenen Antworten finden.

Dies wird als schrittweiser Prozess begriffen, bei dem der Preclear immer weiter für sich aussortiert, was für ihn wichtig und unwichtig ist, welche Dinge in seiner Vergangenheit ihn belastet haben, welche Fähigkeiten er sich für die Zukunft zugestehen kann usw. Am Ende dieses Prozesses steht der Clear, der als Person verstanden wird, die keinen falschen oder verdrängten Einflüssen aus dem Reaktiven Verstand mehr unterliegt. Dies wird nicht nur als Ziel verstanden, das eine positive Auswirkung für das Individuum hat, sondern es wird auch erwartet, dass gleichzeitig – durch die Verbesserung der Beziehungen dieser Person zu ihrer Umwelt – das unmittelbare Umfeld (Familie, Freunde) und letztlich die Gesellschaft profitiert. Es wird unterstellt, dass eine Person, die von ihrem Reaktiven Verstand befreit ist, nicht zu gesellschaftsschädigendem Verhalten (wie Drogenkonsum, Kriminalität oder auch bloß übertriebenem Eigennutz) neigt, sondern stets die Auswirkungen ihres Handelns auf andere berücksichtigt und bemüht ist, nach dem größten Wohl der größten Zahl zu streben.

Nachdem eine Person den Zustand Clear erreicht hat, kann sie, wenn sie dies möchte, ohne die Unterstützung eines Auditors, aber in Zusammenarbeit mit einem Fallüberwacher, weiter an höheren Erkenntnisstufen, den sogenannten „Operierender Thetan-Stufen“ arbeiten.

b) Unterweisung und Ausbildung

Neben dem Auditing, wo eine Person für und mit sich selbst arbeitet, ist ein weiterer praktischer Bestandteil der Scientology das Studieren von Schriften über verschiedene Themenbereiche, die in der Scientology behandelt werden. Dabei befassen sich die Studierenden z.B. mit den Grundgesetzen von zwischenmenschlichen Beziehungen, mit der Anatomie von Problemen oder mit Techniken zur Aneignung von Wissen (was als „Studiertechnologie“ bezeichnet wird). Daneben gibt es natürlich auch Ausbildungskurse für diejenigen, die selber Auditoren werden wollen. Typische Kurse wären zum Beispiel:

  • der Kommunikationskurs, ein über eines oder mehrere Wochenenden gehendes Seminar, in dem die Grundgesetze von zwischenmenschlicher Kommunikation erarbeitet werden und Übungen zu den Bestandteilen erfolgreicher Kommunikation durchgeführt werden;
  • der Studierkurs, in dem die Hindernisse untersucht werden, die einen Lernenden vom Erfolg abhalten können, und wo ihm Werkzeuge an die Hand gegeben werden, diese zu überwinden;
  • der sog. PTS/SP-Kurs, in dem eine Person, die sich im Leben unterdrückt und verunsichert fühlt, etwas über die Mechanismen lernen kann, welche zu diesem Zustand führen können, und so ursächlicher darüber werden soll;
  • der Data-Evaluator-Kurs, in dem die Grundgesetze der Logik und die Auswertung von Situationen mit Hilfe von Logik gelehrt werden, wodurch eine Person dazu ausgebildet werden soll, unbefriedigende Zustände insbesondere in Gruppen (Betrieben, Vereinigungen usw.) auf den Grund zu gehen und ihre Ursache zu ermitteln.

Als schriftliche Lehrmaterialien werden vor allem Werke von L.Ron Hubbard verwendet, aber auch von anderen, die auf den einschlägigen Gebieten gearbeitet haben, etwa William B.Robertson, Ruth Minshull und anderen. Die Materialien sind üblicherweise zu festen Kursen zusammengestellt. Ein Kurs besteht aus schriftlichem Studiermaterial (Bücher, kürzere Aufsätze) und evtl. Tonbandvorträgen, die gehört werden, aber auch aus praktischen Übungen, schriftlichen Ausarbeitungen des Studenten und anderem; auf diese Weise wird sicher gestellt, dass der Student nicht im Theoretischen stecken bleibt und das Gelernte mit seinem Leben in Verbindung bringt und daraus wirklichen Nutzen ziehen kann.

Der Student studiert im Wesentlichen eigenständig und wird dabei von einem ausgebildeten Kursleiter überwacht und betreut, z.B. wenn er Fragen oder Schwierigkeiten mit dem Material hat, oder um die praktischen Übungen durchzuführen.

Auch im Bereich der Ausbildung in der Scientology wird das Prinzip nicht durchbrochen, dass einer Person kein Glaubenssystem übergestülpt werden soll. L.Ron Hubbard betont an vielen Stellen seines Werkes:

„Nichts in der Dianetik und der Scientology ist für Sie wahr, wenn Sie es nicht beobachtet haben und es, gemessen an Ihrer Beobachtung, wahr ist.“ (L.Ron Hubbard, „Persönliche Integrität“, Ability Magazin Nr. 125)

Damit soll der Student der Scientology dazu aufgerufen werden, nicht unkritisch Daten zu übernehmen, nur weil sie von einer Autorität stammen, sondern anhand seiner eigenen Erfahrung zu überprüfen, ob und inwieweit die Aussagen für ihn und sein Leben zutreffen.

c) Umsetzung der Praktiken in Ron’s Org Frankfurt e.V.

Der satzungsmäßige Zweck der Ron’s Org Frankfurt e.V. besteht in der Anwendung und Nutzbarmachung von philosophischen und religiösen Aspekten und Lehren für eine selbstbestimmte Lebensgestaltung, wobei die Lehren der Scientology im Mittelpunkt stehen. Dies wird außer durch allgemeine Informationsangebote, die an die breite Öffentlichkeit gerichtet sind, dadurch erreicht, dass in den Vereinsräumen für interessierte Personen Kurse angeboten werden, in denen sie Bestandteile der Scientology und ihre Anwendung kennenlernen können. Dabei sollen insbesondere für Neulinge auf dem Gebiet Wochenendseminare, Fernkurse und Ähnliches angeboten werden, die einen ersten Zugang zu dem Gebiet auf einfache Weise ermöglichen.

Dadurch, dass der Verein keine Mitgliedschaft zur Voraussetzung für die Kursteilnahme macht, macht er es für jedermann möglich, dieses Angebot unverbindlich wahrzunehmen, ohne sich zu verpflichten oder auf längere Dauer zu binden. Nach Überzeugung der Ron’s Org Frankfurt e.V. entspricht es dem Wesen der Scientology nicht, Menschen mit „Verkaufsmethoden“ oder mit Methoden wie in einer Sekte anzulocken und zu binden, da die Ausrichtung der Scientology ja ist, das Individuum zu größerer Selbstbestimmung und persönlicher Freiheit zu bringen, nicht zu mehr Abhängigkeit.

Weiterhin vermittelt die Ron’s Org Frankfurt e.V. Personen, die selber Auditing erfahren möchten, an kompetente, gut ausgebildete Auditoren und unterstützt diese bei der Organisation und Durchführung des Auditings. Auch Ausbildungskurse für Auditoren werden angeboten.

Der Ron’s Org Frankfurt e.V. ist es wichtig, dass die Scientology und die Lehren von L.Ron Hubbard und anderen weder zur Indoktrination missbraucht werden, noch um in unlauterer Weise finanzielle oder persönliche Vorteile zu erlangen. Bei der Zusammenarbeit mit Kursleitern und Auditoren wird darauf geachtet, dass diese mit den genannten Zielen übereinstimmen und in ihrer durch den Verein vermittelten oder koordinierten Tätigkeit ebenfalls hohe ethische Standards einhalten.

3. Wie verhält sich Scientology, wie sie von der Ron’s Org Frankfurt e.V. verstanden wird, zu dem, was die Scientology-Kirche vertritt?

Sowohl durch zahlreiche Berichte von ehemaligen Mitgliedern der Scientology-Kirche wie auch durch die Auswertung der von ihr publizierten Schriften ergibt sich ein klares Bild darüber, was es heutzutage mit der Scientology-Kirche auf sich hat. Etwa zu Beginn der 80er Jahre kam nicht nur ein neues Management an die Spitze der Scientology-Kirche (viele Jahre, nachdem sich L.Ron Hubbard aus der unmittelbaren Leitung der weltweiten Organisation zurückgezogen hatte), sondern auch der Umgang mit den Mitgliedern und den Mitarbeitern veränderte sich wesentlich. Jeglicher Widerspruch wurde mit Repressalien und Strafmaßnahmen bis hin zum Ausschluss unterdrückt. Insbesondere frühere Vertraute von L.Ron Hubbard und Auditoren und Fallüberwacher, die noch von ihm selber ausgebildet wurden, wurden geschasst.

Die Mitglieder wurden durch ständig steigende Preise für Auditing und Kurse in Atem gehalten, während gleichzeitig ein starker Druck auf sie ausgeübt wurde, bei der Stange zu bleiben. Dabei wurde vielfach die Außenwelt als feindlich hingestellt und insbesondere Regierungen und Medien als Feindbild aufgebaut, um eine nach außen hin geschlossene Haltung der Mitglieder als Gruppe zu fördern.

Kurz darauf begann eine allmähliche, aber nachhaltige Veränderung der eigentlichen Inhalte der Scientology. Sehr viele Schriften Hubbards wurden Revisionen unterzogen, aus Büchern und Vorträgen wurden ganze Teile entfernt oder durch andere ersetzt, und insbesondere Auditingtechniken wurden massiv abgeändert. Nicht wenige dieser Änderungen lassen den Rückschluss zu, dass ein bestimmtes Programm hinter all dem stand. Auditingtechniken wurden teils einfach unwirksamer gemacht, mit der Folge, dass die Mitglieder länger zahlend im Auditing gehalten wurden, teils wurden sie auch so abgeändert, dass Preclears in und außerhalb Auditingsitzungen durch das Auditing ins Unrecht gesetzt und persönlich unter Druck gesetzt werden konnten. Ein Beispiel dafür sind bestimmte Auditingtechniken, in denen der Preclear wiederholend nach Geschehnissen gefragt wird, wo er sich falsch oder unmoralisch verhalten hat, und auch in dem Fall, wo der untersuchte Bereich frei von solchen zu sein scheint, solange nachgebohrt wird, bis die Person etwas „findet“; es liegt auf der Hand, dass ein Preclear durch diese Praktik dazu gebracht wird, Dinge zu erfinden, die angeblich mit ihm falsch sein sollen, und diese als möglicherweise wahr übernimmt, wodurch er sich insgesamt als „im Grunde verderbte Person“ wahrnimmt und dementsprechend immer mehr Auditing „braucht“.

Abweichende Meinungen oder Anfragen an die Führungsebene, warum in diesem oder jenem Punkt das tatsächlich Praktizierte von dem abweicht, was sich in Hubbards Schriften findet, werden entweder konsequent ignoriert, oder die nachfragende Person wird unter erheblichen Druck gesetzt und sogenannten „Ethikmaßnahmen“ unterworfen, wobei sie dazu gezwungen wird, zu offenbaren, welche schädlichen Handlungen sie gegen die Scientology-Kirche begangen habe. Da dieser Prozess bis zu einem für den „Ethikbeauftragten“ zufrieden stellenden Ergebnis fortgesetzt wird, muss die Person schließlich auch hier irgendwelche Overts (s.1.b) erfinden oder Kleinigkeiten zu erheblichen Verstößen aufblasen, bis sie sich schlecht genug und der Scientology-Kirche verpflichtet fühlt, um wieder auf Linie gebracht worden zu sein.

Ron’s Org Frankfurt e.V. betrachtet all dies als Abweichungen von den Zielen, die L.Ron Hubbard für die Anwendung von Scientology postuliert hat – wobei er allerdings auch schon selber sehr früh auf die Gefahr eines Missbrauchs hingewiesen hat:

„Scientology wird verfallen und für die Menschen nutzlos werden an dem Tag, da sie der Beherrscher des Denkens wird. Denkt nicht, dass sie das nicht tun werde. Sie enthält alles Potential dazu, das zu tun.“ (L.Ron Hubbard, „Formative State of Scientology“, Vortrag vom 6.12.1952)

Dabei mag es dahingestellt bleiben, ob die Führungsebene der Scientology-Kirche aus Macht- oder Geldgier heraus handelt, das Ergebnis ist jedenfalls, dass die Mitglieder statt zu größerer persönlicher Freiheit zu immer größerer Abhängigkeit und geringerer Selbstachtung getrieben werden und außerdem wegen der horrenden Preise für Kurse und Auditing für nicht wenige der „Weg zur geistigen Freiheit“ in Überschuldung und dem wirtschaftlichen Ruin endet.

In Ron’s Org Frankfurt e.V. werden nur diejenigen Schriften von L.Ron Hubbard als authentisch betrachtet, die nachweislich von ihm stammen, und keinesfalls solche, die nach 1981 datieren, da bei diesen nach den Erkenntnissen des Vereins mit Sicherheit angenommen werden kann, dass sie von anderen stammen und nur unter seinem Namen veröffentlicht wurden. Somit soll den Mitgliedern und der interessierten Öffentlichkeit gewissermaßen die ursprüngliche, „reine“ Scientology zugänglich gemacht werden. Ein Bedarf hierfür besteht schon deswegen, weil die ursprünglichen Werke inzwischen kaum noch erhältlich sind, zumal die meisten Bücher und Schriften von der Scientology-Kirche „neu“ und damit meistens in veränderter Form herausgegeben wurden. Der Verein sieht es daher als Aufgabe an, eine möglichst umfassende Sammlung der Werke von L.Ron Hubbard zur Verfügung zu stellen; einen Teil dieser Aufgabe sieht der Verein auch darin, durch textkritische Überprüfung und Quellenforschung zu ermitteln, welches die Originalversionen dieser Werke sind.

Was die Praxis betrifft, so versucht der Verein, eine Struktur zu etablieren, die jedem Interessierten ohne bindende Mitgliedschaften o.ä. den Zugang zu und das Studium von Scientology ermöglicht. Das Geben von Auditing wird nicht als Aufgabe des Vereins angesehen, da dabei weniger die Unterrichtung über Scientology, sondern die persönliche Verbesserung des Einzelnen im Vordergrund steht. Da aber Auditing ein wichtiger Bestandteil von Scientology ist, unterstützt der Verein Auditoren und vermittelt interessierte Personen an diese weiter.

Der Verein ist auch nicht auf wirtschaftlichen Gewinn orientiert, so dass Informationen, Bücher und Kurse zu Selbstkostenpreisen angeboten werden können, ohne dass, wie in der Scientology-Kirche, fest angestellte Mitarbeiter 60 Stunden in der Woche gegen ein Taschengeld arbeiten müssen. Für das Abhalten von Kursen und Seminaren werden ausgebildete Seminarleiter als freie Mitarbeiter verpflichtet, so dass auch in dieser Beziehung keine Abhängigkeiten entstehen.

Der Verein unterstützt auch Personen, die aus anderen Städten als Frankfurt kommen und Interesse an der Scientology haben, aus rein persönlicher Motivation oder um diese in ihrem jeweiligen geographischen Umfeld bekannt zu machen. Daneben bestehen zahlreiche Kontakte zu bereits etablierten unabhängigen Scientology-Gruppen im In- und Ausland, mit denen ein Austausch besteht; die Mitglieder des Vereins können auf diese Weise sowohl andere Verständnisweisen der Scientology kennenlernen als auch Erfahrungen über die Anwendung der Scientology austauschen.

Die Abgrenzung des Vereins zur Scientology-Kirche zeigt sich auch daran, dass Personen, die die Scientology-Kirche verlassen haben oder dabei sind, dies zu tun, sich an den Verein wenden können. Diese Menschen sind oft erstaunt darüber, zu erfahren, dass die Scientology-Kirche nicht die einzige Stelle ist, über die sie Kontakt mit Scientology haben können, und sind froh, eine Quelle von unverfälschten Materialien kennenzulernen oder die Erfahrung machen zu können, die Scientology in einem Umfeld zu studieren, dass frei von Unterdrückung und Einschüchterung ist.

4. Ist Scientology eine Religion?

L.Ron Hubbard selber hat Scientology stets als Religion, oder genauer gesagt als „religiöse Philosophie“ gesehen. Er begründete dies damit, dass sich die Scientology mit dem Menschen als geistiges Wesen beschäftigt und seine spirituelle Erhöhung und Erleuchtung bezweckt, worin sie sich mit den Zielen vieler anderer religiöser Bewegungen trifft.

„Scientology ist eine Religion, gemessen an ihren Grundüberzeugungen, ihrer Praxis, ihrem historischen Hintergrund und gemäß der Definition des Wortes ‚Religion’ selbst. Das Folgende wird helfen, die philosophischen und praktischen Aspekte der Religion klarzustellen:
Religiöse Praxis impliziert Ritual, Glaube an etwas, eine Lehre, die auf einem Katechismus und einem Glaubensbekenntnis beruht. Religiöse Philosophie impliziert das Studium geistiger Manifestationen; Forschung über die Natur des Geistes und das Studium der Beziehung des Geistes zum Körper; Übungen, die der Rehabilitation von Fähigkeiten in einem Geist gewidmet sind.

Scientology ist eine Religiöse Philosophie in ihrer höchsten Bedeutung, da sie den Menschen hin zu völliger Freiheit und Wahrheit bringt...Scientology steht nicht im Konflikt mit anderen Religionen oder Religiösen Praktiken, da sie sie klarstellt und Verstehen über die geistige Natur des Menschen bringt...Die engste spirituelle Verbindung der Scientology mit einer anderen Religion findet sich zum orthodoxen (Hinayana-) Buddhismus, mit dem sie die geschichtliche Herkunft teilt. Aber selbst hier ist die Beziehung mehr auf Freundschaft gegründet und auf der Anerkennung des Wesens als etwas Spirituellem, als auf irgendwelchen organisatorischen Verbindungen.“
(L.Ron Hubbard, „Religiöse Philosophie und Religiöse Praxis“, HCO Bulletin vom 18.4.1967)

Weil viele Anhänger der Scientology ihr persönliches Streben nach höherem Bewusstsein oder Spiritualität als etwas zutiefst Religiöses verstehen, ist Scientology für sie eine Religion. Andere betrachten Scientology eher als ihre Weltanschauung, als ein Denksystem, als eine Methode, persönliche Fortschritte zu machen oder schlicht als einen spirituellen Weg. Oft sehen diese ihre Befassung mit Scientology als eine Ergänzung ihrer eigenen Religion, so dass es durchaus gläubige Christen oder Anhänger anderer Glaubensgemeinschaften gibt, die sich außerdem als Scientologen betrachten.

Auch die Facette der Scientology als Weltanschauung oder Methode des Denkens ist zweifelsfrei im Werk Hubbards angelegt.

Er schreibt über die Scientology, dass „...sie wirklich eine Sache für sich ist. Die Leute mögen zwar versuchen, sie als geistige Therapie einzustufen, aber soweit es die Gesellschaft betrifft, steht sie der Erziehung wesentlich näher. Ihr Ziel ist die Verbesserung des menschlichen Geistes auf selbstbestimmter Grundlage, und sie ist für die Verwendung an Individuen und Gruppen vorgesehen. Sie stellt eine Ansammlung von Daten dar, die allem Anschein nach die vereinbarten Faktoren bilden, aus denen das Dasein sich aufbaut; daher wird sie, obschon ein einzelner sehr oft durch das bloße Studium dieser Daten zur Befreiung gelangt, auf individueller und Gruppen-Basis auch direkt an Individuen und Gruppen weiterverbreitet. Sie ist eine Form der Selbsterkenntnis.“ (L.Ron Hubbard, „Dianetik 55!)“

Ron’s Org Frankfurt e.V. ist daher für alle möglichen Interpretationen der Scientology offen. Sie versteht sich nicht als kirchliche Vereinigung oder religiöse Gemeinschaft im starren Sinn, bietet aber auch denjenigen ein Forum, die eine Gruppe suchen, um dort ihren religiös verstandenen Anschauungen nachzugehen bzw. Gleichgesinnte zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen.

- Fassung vom 12.12.2004 -